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Peter Richter schrieb am 19.01.2016 - 17:18 Uhr
Ich habe alle Verlage angeschrieben, die halbwegs passend erschienen, darüber hinaus auch mehrere Buchagenten. Die Antworten bestanden, wenn überhaupt, aus Formbrief-Ablehnungen. Ein Grund hierfür hat sich mir daraus nicht erschlossen. Ebenso ging es mir mit meinem neuen Buch STYROPOR, das in naher Zukunft spielt und u.a. die gesellschaftlichen Auswirkungen der künstlichen Lebensverlängerung behandelt. Auch dieses werde ich bei BOD veröffentlichen. Inzwischen fühle ich mich als unabhängiger Autor ganz wohl!
Hartmut Ginnow-Merkert schrieb am 18.01.2016 - 14:51 Uhr
Das ist ja eines der spannendsten Bücher, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe. Haben es die großen Verlage abgelehnt (was ein Fehler wäre), oder ist die Publikation im Eigenverlag von Vorteil? Das Buch ist geradezu eine Gebrauchsanweisung in Kommunalpolitk!
Autor Peter Richter schrieb am 05.10.2010 - 14:44 Uhr
----- Der Schluss riecht nach einer Fortsetzung. Wann? -----

Es stimmt, der Schluss ist in gewisser Weise offen. Man weiß zum Beispiel nicht, ob Steinlands Widersacher sich nicht doch noch an ihm rächen wollen, und auch seine privaten Verhältnisse sind am Ende des Buches einigermaßen ungeklärt. Eine Fortsetzung wäre daher sicher angebracht.
Wie auch Martins Plan möchte ich weitere Bücher dieser Reihe mit einem fachlichen Thema unterlegen, da ich finde, dass dieser Teil unseres Lebens, nämlich die Arbeitswelt, in der Literatur zu kurz kommt. Wenn ein Buch für den Leser ein guter Freund sein soll, dann muss es sich zuweilen auch zu diesen Fragen äußern, finde ich.
Also, ein Thema könnten die verschlungenen Pfade der sogenannten Verwaltungsmodernisierung sein, die ständig neue und übel riechende Blasen schlägt, und ein anderes die staatliche Wirtschaftsförderung. Nun, schaun wir mal. Darüber hinaus habe ich noch zwei weitere Stoffe in Arbeit, nämlich den einer romantischen Erfindung und einen, der sich um Gentechnik dreht. Letzteres wäre wohl eher ein Sachbuch.
Wichtiger sind mir zur Zeit die Karikaturen, die ich zeichne und die an dieser Stelle in Kürze zu sehen sein werden.

Autor Peter Richter
K.E. schrieb am 28.09.2010 - 12:49 Uhr
Der Roman ist realitätsnah, flüssig und leicht verständlich geschrieben. Durch die eingeflochtene Liebesgeschichte und kriminalistische Handlungen wird Spannung aufgebaut, die den Leser neugierig machen, immer weiter zu lesen. Die Geschichte beruht auf einer fleißigen Datenrecherche und einer scharfen Beobachtung der Tages- und Betriebsabläufe einer ostdeutschen Verwaltung in der Nachwendezeit, die es wert sind, für die Nachwelt festgehalten zu werden.
Der Leser gewinnt Einblick in die westdeutsche Denkweise eines Intellektuellen, der, wie viele andere damals, eine schnelle Karriere und sein Glück in einer ostdeutschen Verwaltung suchte. Zugleich räumt der Roman mit dem Klischee auf, dass Westfachleute umfassendere Bildung besäßen und den Ossis an Erfahrungen und Modernität überlegen gewesen seien. Es wird klar, dass das Problem des Unterlegenheitsgefühls für Ossis darin bestand, dass sie von heut auf morgen Gesetze, Regeln und Organisationsformen der westdeutschen Verwaltungen ohne Wenn und Aber übernehmen und anwenden mussten. Das konnte natürlich keiner auf Anhieb, auch wenn die ostdeutschen Fachleute eine wesentlich bessere Grundausbildung besaßen. Zudem standen alle unter erheblichem Druck, Erfolge möglichst schnell nachweisen zu müssen. In der Folge misstrauten sich Ossis und Wessis gegenseitig. Gesten und Verhaltensweisen wurden aus Sicht der Herkunft und der jeweiligen Erfahrungen gedeutet und führten oft zu Missverständnissen. Peter Richter hat diese Unterschiede fein registriert und beschreibt, wie sich die Menschen in beiden Deutschlandteilen auf vielen Gebieten voneinander entfernt hatten, die Sprach-, Gefühls- und Kommunikationswelt in den Jahren der Zweistaatlichkeit eine andere geworden war. Im Roman wird aber auch festgehalten, wie sich die Wessis in kurzer Zeit in den Schaltstellen der Verwaltung zunächst als Berater und Motor eingenistet hatten, schon bald aber eigene Seilschaften und Fronten gegenüber den Ossis bildeten und die Ossis teilweise ausgrenzten.
Die Verhaltensweise des Protagonisten Martin Steinland ist verklemmt und spießig wie man sie eben nicht von einem Wessi erwartet hätte. Trotz seiner angeblich grünen Einstellung aus revolutionären Zeiten der 60-er Jahre der Bundesrepublik, will er einen Golfplatz statt einem Verbrauchermarkt auf das ehemalige Gelände einer Hühnermastanlage bauen. Hätte er als Stadtplaner nicht wissen müssen, dass die Region Arbeitsplätze braucht, um nicht noch mehr Menschen an den Westen zu verlieren? Wie konnte er dulden, dass so eine große Anlage platt gemacht wird? Warum hat er nicht überprüft, ob sie vielleicht zu modernisieren und weiter zu betreiben wäre? Aber er dachte zunächst an sein eigenes Fortkommen, seine eigene Karriere, die ihm im Westen nicht vergönnt war. Dafür nimmt er die Trennung von seiner Familie in Kauf. Doch er gerät mit seinem Golfplatzplan in Konflikt mit den Interessenvertretern für den Verbrauchermarkt um den Bürgermeister, die ihrerseits allerdings auch nichts tun, um die Hühnermastanlage zu halten. Es verwundert auch nicht, dass Martin Steinland ruhigen Gewissens die Westzulage annimmt, ohne eine wirkliche Leistung zu erbringen, die sie gerechtfertigt hätte. Er glaubt vielmehr, dass sie ihm zustehe für die Entbehrungen und den Aufbauwillen. Immerhin erhält er mehr Gehalt als der Bürgermeister! Das muss Neid bei den Ossis erzeugen!
Doch deshalb einen Mord einplanen? Die Beinahe-Mord-Geschichte erscheint aufgesetzt und unglaubwürdig. Es ist nicht vermittelbar, dass die Gruppe um den Bürgermeister zur Kaltstellung des kleinen Westplaners Martin Steinland einen Mord anzetteln würde, dazu war der zu erwartende Schaden und der Leidensdruck nicht groß genug.

Der Roman hat mir selbst noch einmal die Zeit nach der Wende vor Augen geführt und Zusammenhänge der damaligen Zeit verständlich gemacht. Ob er jüngeren hilft, weiß ich nicht. Und auch im Nachhinein wüsste ich nicht, wie man damals der städtebaulichen Entwicklung dieser beispielhaften Kommune einen anderen Verlauf hätte geben können. Vielmehr ist zu erwarten, dass bei künftigen gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen einer Tragweite wie der von 1990 es ähnlich verlaufen wird. Wendehälse, Gewinner und Verlierer, Täter und Opfer wird es wieder geben. Nur, ob diese friedliche Ablösung (Revolution) eines Machtapparates und eines ganzen Gesellschaftsystems sich wiederholen wird, bezweifle ich.

Vielleicht war der Inhalt auch nicht angelegt, belehrend zu wirken, sondern nur gedacht, um die Zeitgeschichte der Nachwende festzuhalten. Das ist Peter Richter sehr gut gelungen. Insofern wünsche ich, dass viele Menschen das Buch lesen. Es ist ein Beitrag, unsere gesamtdeutsche Vergangenheit besser verstehen zu können.

K. E.
Simone Bauer schrieb am 26.09.2010 - 12:01 Uhr
Ich habe den Roman gelesen und finde ihn sehr spannend. Man muss sich allerdings durch etliche Seiten hindurchkämpfen, bis die Geschichte in Fahrt kommt. Das tut sie dann aber enorm! Dafür, dass sie sie in einer Stadtverwaltung spielt, die ja von sich aus nicht gerade der große Spannungsfaktor ist, schreibt der Autor recht lebhaft und bunt. Besonders gefallen hat mir die beschriebene Sitzung der Stadtverordneten, die mehr oder weniger nicht wussten, worüber geredet wurde und was sie da beschließen sollten. All das Gestammele und ziellose Labern! Sehr realistisch, kann ich nur sagen! Schön finde ich, wie der westdeutsche Martin allmählich doch der ostdeutsche Kerstin auf den Leim geht. Man hat es ja von Anfang an geahnt. Überhaupt kommt mir vieles, was in diesem Buch steht, typisch für die Zeit nach der Wende vor.
Der Schluss riecht nach einer Fortsetzung. Wann?
Simone B.
 

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